Was gibt's Neues vom Sternenhimmel und der Sternwarte Gönnsdorf?



Juni 2026

Ein Blick zurück

Für die Neuigkeiten im Juni blicken wir zunächst einmal weit zurück. Vor 50 Jahren ging unsere Sternwarte zum ersten Mal in Betrieb, als Außenstelle des Lohrmann-Observatorium der TU Dresden. Im Grunde genommen ist es einem eher unglücklichen Umstand zu verdanken, dass die Sternwarte überhaupt gebaut wurde. Der Beginn der Außenstelle Gönnsdorf in den späten 1960er Jahren war mit einem einfachen Zirkumzenitalhaus zur Zeit- und Breitenbestimmung eher unspektakulär.

Zirkumzenitalhaus
Zirkumzenitalhaus zur Zeit- und Breitenbestimmung (Quelle TU Dresden)

Etwa zur gleichen Zeit aber fertigte das Institut für Leichtbau der TU Dresden eine drehbare Kuppel für ein Observatorium im Kaukasus an. Ein Auftrag, der jedoch storniert wurde, so dass Anfang der 1970er Jahre eine 6m-Kuppel ihrer weiteren Nutzung harrte. Es ist der Verdienst der damaligen Leiter des Lohrmann-Observatorium, Prof. H.-U. Sandig und (in Nachfolge) Prof. K.-G. Steinert, dass passend zur vorhandenen Kuppel ein Unterbau aus Ziegelstein errichtet wurde. Wenngleich sich der Bau wegen verschiedener Widrigkeiten über mehrere Jahre hinweg zog, so konnte doch schließlich 1975 der Rohbau eingeweiht werden. Das Hauptinstrument der neuen Sternwarte wurde ein vierlinsiger Zeiss-Astrograph, mit dem ab 1976 die fotografische Beobachtung Kleiner Planeten im Vordergrund stand. Zusätzlich wurde der Gönnsdorfer Astrograph im Weiteren auch für die Beobachtung geostationärer Satelliten im Zuge von geodätischen Aufgabenstellungen genutzt.

Gedenktafel
Prof. Dr. Sandig befestigt die Gedenktafel am Rohbau der Sternwarte (Quelle TU Dresden)
Astrograph
Sternwarte mit dem Gönnsdorfer Astrographen (Quelle TU Dresden)

In diesem Jahr nun jährt sich die Inbetriebnahme der Sternwarte auf dem Turmberg zum 50. Mal. Dieses Jubiläum werden wir als Verein und jetziger Betreiber der Sternwarte im Juni in einer Festveranstaltung mit geladenen Gästen und befreundeten Sternwarten feierlich würdigen.

Der Blick in den Juni-Himmel von Frank Bok

Liebe Sternfreunde,
im Juni beginnt der Sommer, und zwar exakt am 21. Juni um 10:24 Uhr MESZ. Wir befinden uns im jährlichen Zeitraum mit den kürzesten Nächten. Der frühste Sonnenaufgang ist in Dresden am 17.6. um 4:49 Uhr MESZ und der späteste Sonnenuntergang am 24.6. um 21:23 Uhr MESZ. Genau genommen wird es zwischen dem 23. Mai und dem 18. Juli nie Nacht, es bleibt bei der sogenannten Mitternachtsdämmerung. Wir gehen dabei von der abendlichen astronomischen Dämmerung des Vortages direkt in die morgendliche astronomische Dämmerung des folgenden Tages über. Unter astronomischer Dämmerung versteht man, dass die Sonne weniger als 18 Grad unter dem Horizont verschwindet.
Dennoch hält auch der Juni ein paar erwähnenswerte Himmelsereignisse bereit. Um den 9. Juni kommen Venus und Jupiter, die beiden hellsten Planeten am Abendhimmel, scheinbar nah zueinander. Leider nicht nahe genug, um beide Planeten gleichzeitig im Teleskop betrachten zu können, ein Blick durch ein Teleskop oder auch ein Fernglas lohnt aber durchaus. Venus hat – wie auch der Mond – Phasen, bei denen sie durch die Sonne so von der Seite beschienen wird, dass wir nur einen Teil sehen können und im Juni ca. ein Drittel im Schatten abgedunkelt bleibt. Jupiter mit seinen farbigen Wolkenbändern und den vier um ihn kreisenden Galileischen Monden ist immer ein lohnendes Beobachtungsobjekt, schon mit einem Fernglas kann man feststellen, wie sich die Positionen der vier Monde im Laufe der Zeit (beim Innersten, Io, schon innerhalb weniger Stunden) verändert. Über den Zeitraum einiger Tage bilden Venus und Jupiter ein markantes Paar am Himmel und sind die ersten erkennbaren Objekte bei einsetzender Dunkelheit. Jupiter steht im Juni am Ende, Venus nahe dem Höhepunkt der Abendsichtbarkeit. Zusätzlich kann man um den 12. Juni auch Merkur am Westhorizont kurz nach Sonnenuntergang erspähen. Da der Mond deutlich abgenommen hat (Neumond ist am 15. Juni), stört dessen zusätzliches Licht kaum. Am 30. Juni um 1:56 Uhr MESZ haben wir den südlichsten Vollmond dieses Jahres.
Aufgrund der sehr spät einsetzenden Dunkelheit bieten wir auch Sonnenbeobachtungen an. Bei wolkenfreiem Himmel kann man immer montags ab 18:00 Uhr durch unsere Teleskope mit Schutzfiltern einen Blick auf die Sonne werfen und Sonnenflecken und Protuberanzen (Materieauswürfe aus der Sonne ins Weltall) beobachten.
Einen allzeit sternenklaren Himmel im Namen aller Gönnsdorfer Sternfreunde wünscht Frank Bok

Termine:

Öffnungszeiten im Juni : Montags ab 18 Uhr zur Sonnenbeobachtung, keine Anmeldung erforderlich

Vortrag : 08.06.2026 um 19:00 Uhr, Dr. Frank Bok: "Wasser im Weltall - Konsequenzen für extraterrestrisches Leben"

Kontakt:

E-Mail: besucherservice@sternwarte-goennsdorf.de

Das Team der Sternwarte wünscht allen Leserinnen und Lesern einen schönen Sommeranfang.

Hier geht's zum Artikel vom April 2026